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Kreisverband Göppingen Die Grünen im Kreis Göppingen

Historischer Bürgerentscheid zur zukünftigen Stadtentwicklung


 

Es ist soweit, am Sonntag wird gewählt! Wir bitten alle Ebersbacherinnen und Ebersbacher dringend sich an der Wahl zu beteiligen. Denn je höher die Wahlbeteiligung sein wird, desto repräsentativer ist das Ergebnis. Und es geht um sehr viel.

 

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten unsere Kritik an der Weber-Planung in der Öffentlichkeit dargestellt. Ebenso haben wir unsere GRÜNEN Visionen für eine nachhaltige, ökologische und zukunftsweisende Stadtentwicklung im Gemeinderat und im Stadtblatt diskutiert. Wir haben sowohl unsere Bedenken bezüglich des weiteren Vorgehens geäußert als auch die Chancen die damit verbunden sind. Wir haben, neben der Kritik, ebenso die positive Aspekte der Planung aus unserer Sicht herausgehoben.

 

Jetzt sind SIE an der Reihe.

 

Denn genau das ist der Sinn und Zweck eines Bürgerentscheids. Die Bürgerinnen und Bürger haben das letzte Wort, denn das Volk ist der Souverän. Wir sind froh, dass dieser Bürgerentscheid zustande gekommen ist. Und damit das Thema Stadtentwicklung so breit diskutiert wurde wie nie und sich sehr viele Ebersbacherinnen und Ebersbacher an der Debatte beteiligt haben. Dies hätte wohl schon früher geschehen müssen. Doch es ist auch jetzt ein großer Erfolg für die Demokratie und Bürgerbeteiligung.

 

Die Informationsveranstaltungen waren sehr gut besucht und es gab Infobroschüren von Befürwortern und Gegnern. Jeder hatte die Möglichkeit sich ein eigenes Bild von der Lage zu machen und abzuwägen, wie seine Entscheidung ausfallen wird. Wir werden Ihnen nicht vorschreiben wie sie abstimmen sollen, denn mit dieser Informationsgrundlage kann und muss das jeder für sich entscheiden. Wir haben zur Meinungsbildung beigetragen und jetzt sind SIE an der Reihe.

 

Bestimmen Sie mit was in unserer Stadt passiert. Gehen Sie am Sonntag zur Wahl!

 


Städtische Lebenskultur auf dem Kauffmann-Gelände


 

Der Termin für den Bürgerentscheid über das Kauffmann-Areal rückt immer näher, das öffentliche Interesse ist enorm und die Diskussionen in der Stadt lebhaft. Zeit zurückzublicken auf grüne Konzepte und Visionen der letzten Jahre zur Gestaltung des Areals.

Kerngedanke grünen Denkens zur Gestaltung des Kauffmann-Areals war und ist seit Jahren, ein Modell innerstädtischer Lebenskultur zu entwickeln, das den veränderten Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft entspricht. Seit Jahren ist ein Trend zurück in die Städte zu beobachten. In einer zukunftsfähigen , blühenden Region Stuttgart gelegen, kann auch Ebersbach von diesem Trend profitieren, wenn es konkurrenzfähig zu umliegenden Städten und Gemeinden bleibt und wird. Was macht innerstädtisches Leben attraktiv und welche Bevölkerungsgruppen profitieren besonders davon?

Attraktiv für die die künftige Bevölkerung ist ein Lebensraum, in dem wieder eine ganzheitliche Lebenspraxis möglich ist. Wo Wohnen, Versorgen von Kindern und Alten, Einkaufen, Erholen, Arbeiten und Freizeitgestaltung, gelebte Nachbarschaftlichkeit, Dienstleistung und Kultur eng vernetzt sind. Die stadtplanerischen Konzepte, die die räumliche Trennung eben dieser städtischen Grundfunktionen bewirkt haben, sind verantwortlich für die innerstädtischen Fehlentwicklungen und haben zu der „Unwirtlichkeit“ der Städte beigetragen. Orientiert haben sich diese stadtplanerischen Ansätze am vorwiegend männlichen, erwerbsfähigen Erwachsenen. Unlebendige, lebenskulturarme Innenstädte und gestresste und unverortete Menschen sind die Folge. Jetzt geht es darum, die Innenstädte wieder zu stärken und zu

beleben.Wesentlich profitieren von einer stärkeren Vernetzung der Lebensbezüge können Frauen, Familien und auch Senior/nnen. Gerade für Frauen, die trotz zunehmender Erwerbstätigkeit überwiegend die Erziehung der Kinder, häufig auch die Pflege der Senioren/-innen und der Kontakte übenehmen, ist es immer mehr ein Muss, ihre unterschiedlichen Aufgaben auf engem Raum optimal miteinander kombinieren zu können. Kurze Wege und Wegeketten sind hier, so haben wir das für das Kauffmann-Areal gewünscht, erleichternd.

Auch der zunehmenden Zahl der SeniorInnen, häufig in ihrer Mobilität eingeschränkt, ist zur Teilhabe am öffentlichen und kulturellen Leben, dem Einkaufen und zur Inanspruchnahme von Dienstleistungen durch den Städtebau Rechnung zu tragen. Ideal ist es, innerörtlich alle grundlegenden Bedürfnisse befriedigen zu können, ohne das Auto bewegen zu müssen. Hochwertiges Grün im wohnnahen Umfeld gehört zu dieser innerstädtischen Lebenskultur.

Und natürlich dürfen auch Kinder und Jugendliche nicht vergessen werden. Sie sollen im Stadtbild wieder in Erscheinung treten, sie sollen sich wieder gefahrfrei in der Stadt bewegen und aufhalten können. Sie brauchen (neben des bereits bestehenden) anregungsreiche Spiel-und Freiflächen und Begegnungsmöglichkeiten, Bistros, Cafes, Einkaufsmöglichkeiten.

Jetzt gilt es erneut abzuwägen, ob und wieweit, das von Immoinvest vorgelegte Konzept mit grünen Kerngedanken und den Erfordernissen eines zukunftsfähigen Städtebaus verträglich ist. Einiges des Gewünschten ist im Planentwurf enthalten. Genannt seien hier vor allem der Grundgedanke der Vernetzung und der Vielfalt, aber auch z.B. der Erhalt der Villa, die Markthalle mit Freifläche, die Musikschule, die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten, das Bistro, die Tiefgarage. Auch die Architektur war noch nie ein Gegenstand größerer Diskussionen bei den GRÜNEN. Erfreulich auch die Dachbegrünungen und das Energiekonzept. Zu kurz kommen in diesem Entwurf jedoch das Wohnen und die Aufenthaltsqualität. Wohnen ist im Planentwurf für nur eine Zielgruppe vorgesehen. (Wohnen für Demente). Für diesen Personenkreis ist laut Kreisseniorenplan zwar noch Bedarf vorhanden, jedoch wäre es für die Stadtentwicklung interessant, Bevölkerungszuwachs auch aus weiteren Bevölkerungsgruppen anzuziehen, um die Innenstadt bunter und vielfäliger zu machen und rund um die Uhr Leben in der Stadt zu haben. Auch der mittige Parkplatz ist natürlich weit weg von grünen Vorstellungen. Veraltete Mobilitätskonzepte, in unserem „halbländlichen Verkehrsraum „leider immer noch hoch im Kurs stehend, waren hier wohl federführend für den Planentwurf.

Wie in der ganzen Stadt wird auch bei den GRÜNEN lebhaft diskutiert. Keiner macht sich in dieser hochkomplexen Sache seine persönliche Entscheidungsfindung leicht, genau wie wir das bei der Bevölkerung auch wahrnehmen. Der Bürger/innen sind jetzt der Souverän und mit jeder Entscheidung wird konstruktiv und respektvoll umgegangen werden.

Gabriele Ebensperger

Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Grüne

 



Die Bürger müssen entscheiden


Die Ereignisse in den letzten Wochen haben sich regelrecht überschlagen. Kaum war bekannt, dass es ein Aktionsbündnis für einen Bürgerentscheid gibt, gab es schon sehr hitzige Debatten über die rechtliche Zulässigkeit eines solchen, sowie über den Zeitpunkt und die Motive. Jetzt, nachdem klar ist, dass es zu einem Bürgerentscheid kommen wird, ist es auch an der Zeit kurz innezuhalten und in den Diskussionen zu einer sachlichen Ebene zurückzukommen.

 

Unabhängig davon, ob das jetzige Konzept unterstützt wird oder nicht, sollte allen daran gelegen sein, die Öffentlichkeit möglichst breit zu informieren und über alle Facetten aufzuklären. Wir Grüne wollen diesen Meinungsbildungsprozess öffentlich führen und möglichst transparent sowie sachlich gestalten. Dies hätte von Seiten der Stadt und dem Gemeinderat wohl schon früher in dieser Intensität (7 Bürgerversammlungen!) geschehen können.

 

Ja, wir Grüne haben das Weber-Konzept von Anfang an kritisiert und diese Kritikpunkte auch immer wieder zum Ausdruck gebracht. Wir wollen keinen zentralen Parkplatz mitten in diesem neu zu gestaltenden Viertel. Ein völlig veraltetes Mobilitätskonzept und den damit verschwendeten Raum entspricht absolut nicht unseren Vorstellungen von einer zukunftsweisenden nachhaltigen Stadtentwicklung. Ebenso wünschen wir uns mehr Raum für (ökologisches und generationsübergreifendes) Wohnen – gerade in der Innenstadt. 

 

Nun müssen wir uns jedoch die Fragen stellen, wie es nach einer möglichen Ablehnung weitergehen kann. Da es rechtlich sehr komplex ist, erwarten wir dazu auch noch präzisere Auskünfte. Es wird darüber gestritten, ob, wie und mit wem nachverhandelt werden darf oder nicht, inwieweit Schadensersatzforderungen zulässig sind, ob wir uns dann noch im Vergabeverfahren befinden oder nicht und was über dieses Verfahren gesagt werden darf und noch vieles mehr. Diese Fragen sind sehr entscheidend für den weiteren Verlauf bzw. die Bewertung der Sachlage und sollten deshalb sehr sensibel betrachtet werden.

 

Denn letztendlich geht es darum, welchen Preis wir bereit sind zu zahlen bzw. welchen Preis wir bereit sind hinzunehmen?  Bei einer entsprechenden Ablehnung oder Zustimmung zu dem Konzept. Es hilft uns dabei wenig weiter, wenn wir von zwei unterschiedlichen Rechtsgutachten genau entgegengesetzte Auskünfte dazu bekommen. Diese Thematik soll noch geklärt werden.

 

Wir lehnen, bei aller Kritik, das Konzept nicht in seiner Gesamtheit ab, sondern finden auch gute Ansätze darin (z.B. Musikschulgebäude, Markthalle, öffentliche Tiefgaragenplätze, Fachmärkte und die Kaufmann-Villa). Jetzt geht es jedoch darum, abzuwägen, was für uns in der Gesamtheit hinnehmbar ist und was nicht.

 

Nur bei einer guten Informationsgrundlage und einer ebenso differenzierten wie sachlichen Auseinandersetzung wird es möglich sein, eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Die Bürgerversammlungen bieten dazu sicher eine gute Grundlage. Deshalb appellieren wir an alle, diese zu besuchen und den Diskussionsprozess sachlich und auf allen Ebenen zu führen.

Tobias Bollinger




Bange machen gilt nicht!

Kauffmann-Viertel: Mal kurz stoppen und nachdenken!



Ein Bürgerentscheid ist urdemokratisch und eigentlich ganz normal


Wo man hinkommt,  diskutieren alle übers Kauffmann-Viertel. Ob man einen Supermarkt dort braucht. Und wenn ja, wie groß er sein soll. Und wo die Autos hin sollen. Unter die Erde, auf die Erde oder aufs Dach. Und wie viel Grünzeugs man im Herzen Ebersbachs haben will und ob da auch Menschen wohnen sollen. Darüber abstimmen wollen auch die  meisten. Einfach nur mit der Gesamtsituation unzufrieden sein reicht den meisten nicht. Ein Grund zur Beunruhigung? Eine Missachtung des Gemeinderats? Ein Angriff auf den Bürgermeister? Nein, das ist ganz normal. Ja, wünschenswert. Demokratisch gewollt.  Auch wenn in der Hitze der Diskussion beide Seiten gelegentlich im Ton und Stil danebengreifen.


Bürgerentscheide werden von der Gemeindeordnung ausdrücklich begrüßt. Sie sollen verhindern, dass sich die gewählten Vertreter zu sehr von dem entfernen, was die Mehrheit der Bevölkerung will. Gegebenenfalls sollen Bürgerentscheide Gemeinderatsbeschlüsse korrigieren. Zum Bespiel wenn sich der Gemeinderat in einem rechtlich  komplizierten europäischen  Verfahren  so verstiegen hat, dass er alleine nicht mehr herunterkommt. Bürgerentscheide sollen aber auch die ganz normale Arbeit des Gemeinderats nicht behindern. Deshalb sind die Hürden recht hoch: Zehn Prozent der Wahlberechtigten müssen innerhalb von sechs Wochen nach der Gemeinderatsentscheidung mit ihrer Unterschrift einen Bürgerentscheid fordern. Das haben die Ebersbacher Bürgerinnen und  Bürger getan. Nicht zu früh und nicht zu spät. Fristgerecht. Der Vorwurf: „Warum erst jetzt?“ zieht also nicht.


Jetzt gilt es zu informieren. Wie es weitergehen kann, falls der derzeitige Plan für Kauffmann-Gelände abgelehnt wird.  Bange machen gilt dabei nicht. Mit der Androhung von völlig unrealistischen Schadenersatzsummen sollte kein Bürgerentscheid abgeschmettert werden: Schließlich kann es nicht viel Aufwand gewesen sein, mit dem Bleistift ein paar Rechtecke auf den Ebersbacher Stadtplan zu zeichnen. Und auch auf ein weiteres Horrorszenario sollte in dieser Diskussion besser verzichtet werden: Dass nämlich das Kauffmann-Gelände bis in alle Ewigkeit ein Brachland bleiben werde, weil nach einem Bürgerentscheid  alle Investoren dieser Welt beleidigt wären. Schließlich hat der letzte, wenn auch unbefriedigend durchgeführte Investorenwettbewerb auch nur von Januar bis Juli gedauert. Und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es länger dauern würde, bloß weil der Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nun bei der Ausschreibung mit berücksichtigt werden müsste.

Joachim Auch

Bündnis 90 / Die Grünen   



Investor soll auf Wünsche der Bürgerinnen und Bürger eingehen

 

Päne für Kauffmann-Viertel jetzt ändern!

 

Mehr als 2000 Ebersbacher wollen keinen Supermarktparkplatz als neue Mitte

 

Wow! Mehr als  2000 Unterschriften gegen einen ebenerdigen Supermarktparkplatz im Kauffmann-Viertel in so kurzer Zeit! Herzlichen Glückwunsch und noch herzlicheren Dank an das „Aktionsbündnis Kauffmann-Areal“. Das ist ein Ausdruck von Bürgerwillen, den niemand einfach so beiseite wischen sollte. Moralisch nicht, politisch nicht und juristisch hoffentlich auch nicht. Schließlich sieht die Gemeindeordnung ausdrücklich vor, dass gegen Gemeinderatsbeschlüsse ein Bürgerentscheid durchgeführt werden kann, falls die nötige Anzahl von Unterschriften innerhalb der vorgegebenen Frist vorgelegt wird. Beides ist hier der Fall. Alles könnte unerbittlich seinen juristischen Gang gehen. Muss es aber nicht.

 

Der Investor und die Stadt sollten den Bürgerinnen und Bürgern jetzt entgegenkommen und die Pläne abändern. Die abgeschlossenen Verträge erlauben dies in gegenseitigem Einvernehmen. Wenn der Parkplatz auf das Dach des Supermarktes verlegt würde, dann gäbe es auf einen Schlag eine Menge Platz unten auf der Erde: für einen wohldimensionierten autofreien Platz, für das gewünschte Grün, für Wohnungen von ganz normalen Menschen. Der Appell gilt vor allem dem Investor, der ja ein Ebersbacher ist: Zeigen Sie sich als wahrer Freund Ebersbachs und widersetzen Sie sich dem Wunsch von 2000 Mitbürgerinnen und Mitbürgern nicht weiter.  Setzen Sie sich mit der Bürgerinitiative, der Stadt und dem Gemeinderat an einen runden Tisch und überlegen Sie gemeinsam, wie ein Bügerentscheid vielleicht noch abgewendet werden könnte. Denn wenn das Verfahren ganz neu aufgerollt werden muss, könnten alle verlieren.

Joachim Auch

Bündnis 90 /Die Grünen

 

 

Ebersbachs neue Mitte ist kein Supermark-Parkplatz



Grüne unterstützen Bürgerentscheid zur Zukunft des Kauffmann-Viertels

 

Die Ebersbacher Grünen unterstützen die parteiübergreifende Initiative  von Bürgerinnen und Bürgern, über die Zukunft des Kauffmann-Viertels einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Die Grüne Gemeinderatsfraktion hatte sich  bekanntlich seit Anfang an dagegen ausgesprochen, dass Ebersbachs neue Mitte im wesentlichen ein  übergroßer Supermarktparkplatz werden soll. Es stimme hoffnungsvoll, dass offenbar viele Ebersbacher genauso denken und nicht wollen, dass das Kauffmann-Viertel endgültig unter die Räder komme, so die Grünen. Insofern sei  schon die Tatsache, dass eine Unterschriftenaktion zustande komme, ein Erfolg – unabhängig davon, ob es angesichts der knappen Fristen und der Urlaubszeit gelingt, alle jenen die Unterschrift zu ermöglichen, die sich die Bebauung des wichtigsten Ebersbacher Grundstücks seit hundert Jahren anders vorgestellt hatten.

 

Nach Meinung der Grünen zeigt sich durch das Bürgerbegehren, dass ein so wichtiges Thema wie die städtebauliche Entwicklung der Innenstadt nicht von einer kleinen Gruppe hinter verschlossenen Türen verhandelt werden darf. Denn die Entscheidungen eines solchen Gremiums seien öffentlich nicht nachvollziehbar.  Zumal selbst hinterher offenbar nicht über das Zustandekommen der Entscheidung berichtet werden dürfe. Selbst dem Gemeinderat blieb zwei Tage vor Beginn der Sommerferien nichts anderes übrig, als die Entscheidung der aus vier Gemeinderäten und drei Verwaltungsmitgliedern bestehenden Kommission formal zu bestätigen.

 

Den  Zuschlag hatte nach einer erzwungenen europaweiten Ausschreibung  bekanntlich die  Firma ImmoInvest  um den Ebersbacher Investor Weber bekommen. Der Bebauungsvorschlag war aber im wesentlichen der Gleiche wie vor der Ausschreibung und weit entfernt davon, was Ebersbacher Bürgerinnen und Bürger zuvor in Projektgruppen erarbeitet und gewünscht hatten.

 

Unterschriftenlisten können bei folgenden Adressen abgeholt werden und sollten bis spätestens Sonntag, 31. August auch dort wieder abgegeben werden:

 

Horst Wehinger, Im Hegnach 35; Dr. Martin Hafner, Danziger Weg 5; Joachim und Sibylle Höfer, Diegelsbergerstr. 38; Gertrud Kuffler, Friedrichstraße 4; Brigitte Keyl, Friedhofweg 4 (Roßwälden); Joachim Auch, Heumadwiesenweg 17 (Büchenbronn); Heinz Weigele, Ebersbacherstraße 1 (Bünzwangen)

 

Unter www.hafner-net.com kann die Unterschriftenliste auch im Internet abgerufen werden.

 

Joachim Auch

Bündnis 90 / Die Grünen

 

  

 

 

    

Neuer Marktplatz im Kauffmann-Viertel endgültig unter die Räder geraten

Wie die Ebersbacher Stadtmitte leider nie aussehen wird: Parken auf dem Supermarktdach, autofreier Marktplatz, Musikschule in der Kauffmann-Villa, Stadt-Wohnungen für Jung und Alt

  

Enttäuschung über Ausgang des Investorenwettbewerbs

 

Die Gemeinderatsfraktion der Grünen ist enttäuscht und entsetzt über den Ausgang des Investorenwettbewerbs für das Ebersbacher Kauffmann-Gelände. Die letzte Chance auf einen autofreien und menschenfreundlichen Marktplatz in Ebersbach sei damit für unabsehbare Zeit vertan. Vom Ergebnis her beurteilt seien die Verhandlungen mit den drei Investoren alles andere als ein Erfolg - vor allem wenn man bedenke, dass es anderen Städten ja auch gelungen sei, im Zentrum ihrer Stadt zu annehmbaren Preisen  und Bedingungen einen autofreien  Marktplatz und keinen Supermarkt-Parkplatz zu schaffen.

 

Eine Projektgruppe hat dem Gemeinderat - wie jetzt bekannt gemacht wurde - empfohlen, am kommenden Dienstag der Firma „Immoinvest“ um den Ebersbacher Investor Hermann Weber den Zuschlag zu geben. Nicht zur Annahme empfohlen wurde der Entwurf der Lübecker Firma HBB. Dieser hatte einen wohlproportionierten, autofreien Marktplatz vorgesehen. Dies war möglich geworden, weil die Kunden des Lebensmittel- und Biomarktes auf dem Dach des Supermarktes parken sollten.

 

Nach Ansicht der Grünen wäre auch die Nutzung der alten Kauffmann-Villa als Musikschule günstiger als die jetzt vorgesehene. Weber will sie  als Edelrestaurant ausbauen. Nicht zuletzt deshalb, weil durch eine private Nutzung Fördergelder verloren gehen. Als negativ für die Belebung der Stadtmitte bewerten die Grünen ferner, dass der Weber-Entwurf keine Wohnungen im Kauffmann-Viertel vorsieht.  Die Lübecker Firma  hatte hingegen Miet- und Eigentumswohnungen für Alt und Jung und auch welche für Besserverdienende im Park vorgesehen.

 

Positiv bewerten die Grünen, dass der Investorenwettbewerb, den sie immer gefordert hatten,  auch das Angebot des lokalen Bewerbers verbessert habe. Der Gemeinderat hatte dem Weber-Entwurf schon fast den Zuschlag gegeben, wenn dies ohne Ausschreibung  zulässig gewesen wäre.

Joachim Auch

Bündnis 90 / Die Grünen

 

 

 

Ideen für Kauffmann-Viertel jetzt europaweit gesucht

Ebersbachs neue Stadtmitte darf nicht einfach direkt an einen örtlichen Investor verkauft werden

   

Der Investoren-Wettbewerb ist mehr als eine Formalie: Er ist eine Riesenchance

 

 

Rechthaben ist schön, Rechthaberei nicht. Und deshalb weisen wir in aller politischen Demut auch nicht groß darauf hin, dass wir Grünen von Anfang an Recht hatten mit unserer Forderung nach einem Investoren-Wettbewerb fürs Kauffmann-Areal. Nein, das würden wir nie tun. Wir freuen uns vielmehr, dass Ebersbach jetzt die Chance hat, europaweit Investoren und Ideen für die neue Stadtmitte anzulocken – fast genau ein Jahr, nachdem der Gemeinderat gegen die Stimmen der Grünen beschlossen hatte, lediglich mit einem einzelnen örtlichen Investor Verhandlungen aufzunehmen.

 

Nur auf gutes Zureden der Grünen ist die europaweite Ausschreibung zwar nicht erfolgt. Es waren die sich häufenden Gerichtsurteile, die besagten, dass eine Stadt eine Fläche, auf der städtische Bauprojekte vorgesehen sind, nicht einfach direkt und ohne Ausschreibung an einen Interessenten verkaufen darf. (Was für uns Grüne ja immer schon selbstverständlich war. Aber sei’s drum.)

 

Die demnächst im EU-Amtsblatt erscheinende Anzeige „Reicher und phantasievoller Investor für Kauffmann-Areal dringend gesucht“ (oder so ähnlich) ist jedenfalls erfreulich offen formuliert: Einzelhandel, Wohnungen, städtische Einrichtungen, Tiefgarage, Grünflächen – all das soll es im künftigen Kauffmann-Viertel geben, nichts ist zwingend vorgeschrieben. Alles kann, nichts muss. Man darf gespannt sein, was sich die Investoren dazu einfallen lassen.

 

Gespannt sein darf man auch, für welchen Investor und damit für welche neue Stadtmitte sich Gemeinderat und Stadtverwaltung am Ende entscheiden werden. Die Bürgerinnen und Bürger werden es – ähnlich wie bei der Papstwahl - erst ganz am Schluss erfahren. Die Pläne der Investoren und die Verhandlungen sind nämlich streng geheim. Bis dahin von uns Grünen also kein Sterbenswörtchen mehr zum Kauffmann-Viertel.

 

Sie können aber sicher sein: Wir Grünen werden wie immer das ganze Gewicht unserer drei von sechsundzwanzig Stimmen für eine gesunde innerstädtische Mischung in die Waagschale werfen: Für hochwertige, und das heißt heute ökologisch fortschrittliche Architektur, für neue Wohnformen, für viele bunte Läden (und vielleicht auch für einen kleinen Supermarkt), für eine innovative Energieversorgung, für Kultureinrichtungen (wie eine Musikschule) und für Grünflächen. Natürlich nicht aus Rechthaberei, sondern zum Wohl von Ebersbach.

Joachim Auch

Bündnis 90 / Die Grünen

 

 

Nicht gleich beim ersten Angebot zugreifen! Grüne fordern Investoren-Wettbewerb für Kauffmann-Viertel

Im Niemandsland zwischen gestern und heute: Werksuhr der Firma Kauffmann

Obacht!  Jetzt geht’s schnell. Sehr schnell sogar. Und dann ist Ebersbachs Zukunft für die nächsten hundert Jahre entschieden. Zwischen der ersten öffentlichen Diskussion und der Abstimmung  liegen gerade mal drei Wochen. Und alles deutet darauf hin, dass es nicht  den eigentlich üblichen Investoren-Wettbewerb um das beste Angebot geben wird. Stattdessen wird wohl ohne Ausschreibung gleich das Angebot der Firma Weber eingekauft. Ein Angebot, das im Wesentlichen einen großen Supermarkt mit Parkplatz vorsieht.Und weil die Supermarktmanager wissen, wie man mit verführerischen Angeboten lockt, haben sie  ökologische Aspekte aufgegriffen. Der Supermarkt soll ein begrüntes Dach bekommen. Und eine schöne Glasfassade statt der handelsüblichen Beton-Klagemauer. Die Villa soll erhalten bleiben und als Restaurant betrieben werden. Auch uns freut, dass eine Markthalle geplant ist – wobei auch diese der Stadt nicht geschenkt wird, sondern zu einem Preis vermietet, der die Baukosten in absehbarer Zeit wieder hereinwirtschaftet. Das alles ist schön, aber nicht entscheidend. Entscheidend ist die Frage: Supermarkt mit bis zu 160 ebenerdigen Parkplätzen ja oder nein. Gegen einen Supermarkt an sich wäre nichts einzuwenden. Obwohl wir bereits einen Aldi, einen Lidl, einen Rewe und einen  Edeka-Markt haben. Wenn nur die Parkplätze auf dem Dach oder unter der Erde wären. Aber vermutlich haben die Investoren sogar Recht, wenn sie beteuern, sie würden ja gern eine Tiefgarage bauen, aber die Kunden fahren da nicht gerne rein.Wenn ein Supermarkt aber bis zu 160 Parkplätze braucht, dann pflastern wir die Innenstadt zu anstatt sie zu beleben. Wenn wir den Kern der Stadt, das Herzstück, zuasphaltieren, dann ist die Stadt tot. Auch wenn der Park-Platz Markt-Platz heißt und an einigen wenigen Tagen fürs Stadtfest genutzt werden darf. Tagsüber stehen da immer Autos. Nach Ladenschluss gähnende Leere.Wir Grüne wollen den Ebersbachern die Wahl geben zwischen einem Investorenentwurf mit Supermarkt und einem ohne. Deshalb plädieren wir für die Ausschreibung eines Investorenwettbewerbs ohne Supermarkt. Der soll  Entwürfe liefern, wie das Kaufmann-Viertel in ein neues Ebersbacher Wohnviertel verwandelt werden könnte:- Mit hochwertiger, und das heißt heute ökologischer Architektur.- Mit innovativen Energieversorgungskonzepten.- Mit neuen Wohnformen wie Mehrgenerationenhäusern.- Mit Wohnungen für Besser-Verdienende und für Schlechter-Verdienende.- Mit einer Musikschule, einer Volkshochschule, einer Kleinkunstbühne.- Mit Gastronomie und Läden.Fünfzehn  Jahre hat es jetzt gedauert, bis sich auf dem Kauffmann-Gelände endlich etwas tut. Da kommt es nicht auf ein paar Monate an, die ein Investoren-Wettbewerb dauert.Joachim Auch

 

Kauffmann-Gelände,zweiter Vorschlag Die Alte Schreinerei soll Gartenwirtschaft werden

Die Alte Schreinerei auf dem Kauffmann-Gelände

Jetzt geht’s schnell: Am Dienstag hatte der Gemeinderat zu beschließen, was auf dem Gelände der ehemaligen Gurkenfabrik Kauffmann abgerissen werden soll und was – zumindest vorerst – stehen bleiben soll.

 

Auf Antrag der Grünen bleibt jetzt – zumindest vorerst – nicht nur die Alte Fabrikantenvilla von der Abrissbirne verschont, sondern auch die ehemalige Schreinerei und der alte Schornstein. Ziel ist zu prüfen, ob nicht gerade das eigentlich schmucke Ziegelstein-Fachwerkhäuschen sich als Restaurant mit Gartenwirtschaft eignen würde.

 

Das ist keine grüne Spinnerei. Backstein-Romantik ist gerade für die Erlebnisgastronomie von großen Interesse. Vorbilder gibt es genug: Das Gerber-Bräu-Gelände in Uhingen, der alte Bahnhof in Gmünd, das Dick-Areal in Esslingen und viel andere mehr.

 

Wenn die Alte Schreinerei jetzt aber abgerissen worden wäre ohne die Möglichkeit gastronomischer Nutzung zu prüfen, dann wäre die Chance dahin, ein Stück Alt-Ebersbach, zu bewahren. So haben haben wir die Möglichkeit, ein Stück Erinnerung an die Geschichte der Stadt für kommende Generationen zu erhalten und mit dem Schornstein einen markanten Blickfang zu setzen . (Erfreulicher Nebeneffekt: Altes mit Charme lässt sich auch noch zu vermarkten!).

 

Ein Restaurant mit Gartenwirtschaft („Alte Schreinerei“) neben der ehemaligen Villa ( als „Haus der Musikschule“) – das wäre doch ein schöner Schritt in Richtung einer belebten, liebenswerten, unverwechselbaren Ebersbacher Innenstadt. Einfach die Platte putzen in der Hoffnung, irgendjemand wird schon was Schönes draufbauen auf das Kauffmann-Gelände – diese Rechnung könnte schief gehen. Wir sollten sie lieber mit dem Wirt machen.

 

                                                                                                 Joachim Auch

 

 

 

 

Kauffmann-Gelände, erster Vorschlag Die Alte Villa soll Musikschule werden

 

Seit über 14 Jahren ist es amtlich: Ebersbach hat da, wo andere Städte ein Stadtzentrum haben, eine langsam verrottende Saure-Gurken-Fabrik: die Firma Kauffmann, ein staatlich anerkanntes Sanierungsgebiet. Jetzt sollen – wenn der Gemeinderat am Dienstag zustimmt - die Abriss-Bagger anrollen. Und dann?

 

Die Vorstellungen sind vage: Stadtpark, Wohnhäuser, Läden,  Spielplätze, Einkaufszentrum, Tiefgarage, Gastronomie. Mal mehr von dem einen, mal mehr von dem anderen, je nach politischer Couleur. Den Rest wird der Kämmerer mit Blick auf die Stadtkasse dann schon richten.

 

Deshalb haben wir Grünen im Gemeinderat einen konkreten Vorschlag gemacht: Die Kauffmann-Villa, die sowieso erhalten werden soll, sie wäre eine ideale Musikschule.

 

Ein zentrales Haus für die über die ganze Stadt verteilte Musikschule, das wäre für alle von Nutzen: Die alte Industriellen-Villa und das Kauffmann-Gelände, was immer daraus werden soll, sie werden mit neuem Leben gefüllt, wenn über 500 Schülerinnen und Schüler dort ein und ausgehen um zu musizieren, sich zu treffen, sich zu verabreden. Die Eltern, die sie oftmals zum Musikunterricht bringen, werden die Zeit nutzen, um in den umliegenden Geschäften einzukaufen oder eine Verschnaufpause im Café einlegen. Die Stadt lebt. Der leicht nostalgische Charme der alten Villa ergäbe auch ein wunderbares Ambiente für musikalische oder literarische Soireen und Matineen. Im Zentrum der Stadt gäbe es plötzlich Kultur statt saurer Gurken.

 

Der Musikschule selbst wäre auch geholfen. Sie krankt nämlich schon seit langem daran, dass ihre Schüler und Lehrer über die ganze Stadt verteilt sind und so Kontakte untereinander erschwert werden. Das hat ein Vergleich mit anderen Musikschulen gerade erst wieder gezeigt. Das Zusammenführen  verschiedener Instrumente zu kleinen Bands oder Ensembles ist aber etwas, was eine Musikschule dem privaten Einzelunterricht voraus hat. Und wenn aus diesen Ensemble-Projekten vermehrt kleinere oder größere Auftritte werden -  im Rathaus oder bei einer Betriebsfeier oder im Seniorenheim – dann hat die  ganze Stadt was davon. Dazu kommt noch, dass die Musikschule sowieso über kurz oder lang auf Raumsuche gehen wird, weil beispielsweise die Hardtschule die Räume selber braucht für den geplanten Ganztagesbetrieb.

 

Wir bitten also Herrn Bürgermeister Wolff - dem wir herzlich zur Wiederwahl gratulieren - die anderen Gemeinderatsfraktionen und nicht zuletzt Sie, liebe Ebersbacher Bürgerinnen und Bürger, um Unterstützung für diesen Vorschlag.

 

                                                                                                 Joachim Auch

 

 

 

 

Ebersbach soll städtischer werden !

Vorschlag für ein klares Motto bei der Bebauung des Kauffmann-Geländes


Steine, Schutt und Krater: Mitten in Ebersbach sieht es aus wie auf dem Mond. Abgerissen war die alte Kauffmann-Fabrik schnell. Der Aufbau eines neuen Stadtviertels wird nicht so einfach.

Es gibt erste Ideen aus den Planungswerkstätten, der Stadtverwaltung, den Parteien.  Aber kein einigendes Motto, keine Leitlinie. Am Freitag geht der Gemeinderat auf Besichtigungstour. Aber wonach soll er suchen?

Wie wär’s damit:: Ebersbach soll städtischer werden.  Das klingt einfach, hätte aber klare Konsequenzen. Städtischer werden, das heißt: Nicht dörflich, nicht ländlich. Auf dem Kauffmann-Gelände soll ein richtiges Stadtviertel entstehen, ein städtisches Viertel, mit möglichst vielen Sachen, die es auf der Grünen Wiese nicht gibt.

Das bedeutet für die Bebauung: Wohnprojekte wie Generationenhäuser, Ökohäuser, Penthouse-Wohnungen. Ein dichteres, mehrstöckiges, aber typisches städtisches Wohnquartier – statt Einfamilienhäuser auf der grünen Wiese. Das bedeutet: Verbindung von alten, gewachsenen Bauformen (Kauffmann-Villa, Alte Schreinerei,  ehemaliges Postgebäude) mit modernen Architekturen. Das bedeutet: städtisches, öffentliches Grün statt privaten Gärten. Grün, das benützt werden darf: als Spiel- und Sportfläche. Das bedeutet: Bewohner  von unterschiedlichem Alter, Vermögen und  Herkunft.

Auch städtische Straßenzüge darf es geben: Achsen, wie die vom Stadtplanungsamt vorgeschlagene Verlängerung der Wilhelmstraße als Fußgängerzone bis zum Rathaus. Zum Flanieren,  ein städtisches Vergnügen!

Öffentliche, städtische Einrichtungen müssten dort konzentriert werden: Ein Haus der Musik(schule), ein Haus des Lernens (Volkshochschule, Familientreff usw.),, eine Kleinkunstbühne für Lesungen, Vorträge, Kabarett, Kasperletheater, Kammermusik, Treffpunkte wie ein Gartenlokal, eine Szenekneipe.

Einkaufen sollte man dort können, so wie es im Supermarkt auf der Grünen Wiese nicht möglich ist. Dinge des täglichen Bedarfs, einfach und zu Fuß zu erreichen. Das wird wichtiger, je älter man wird. Vielleicht in einer Markthalle. Vielleicht mit  Dingen, die es in Ebersbach nicht (mehr) zu kaufen gibt. Klar braucht man auch Parkplätze. Aber nicht  zehn vor jedem Haus – in welcher Stadt gibt’s das?

Und wenn in ein paar Jahren dann jemand in Roßwälden, Büchenbronn oder auch Diegelsberg sagt: „Ich geh mal kurz in die Stadt!“, dann wäre völlig klar, wohin: In die Ebersbacher City.

Joachim Auch

Umweltskandal mitten in Ebersbach



Gifte auf Kauffmann-Gelände

Fässer verrotten ungesichert / Gefahr für Kinder, Tiere, Grundwasser

Nachdem nun Ebersbach stolzer Besitzer des Kauffmannareals geworden ist, dürfte ein Wort zu den Gebäuden und den Altlasten angebracht sein. Der Besuch des Geländes ist nicht ohne Gefahren. Vorab sei noch erwähnt, dass man durch ein unverschlossenes Tor direkt mit dem Rad auf das Gelände fahren kann. Das galt für uns und das gilt auch für Kinder und Jugendliche die auf Entdeckungsreise gehen oder auf eine Flasche Wein zum Plausch.

 Man kann kaum glauben, dass hier Lebensmittel produziert wurden. Der Gang in die Tiefen der Fabrik führt einen zu Katakomben mit Behältern und Fässern. Der Boden: unbegehbar, voll mit klebriger Substanz.

 Die Räume: vollgelaufen mit Wasser, Unmengen von Rohren, aus denen offenbar monatelang Lauge tropfte und Krusten auf dem Boden bildete.

Die Abflüsse: im Boden vollgekrustet und verstopft mit unbekannten Stoffen, die hier "entsorgt" wurden. Wenn die erste Überraschung sich gelegt hat ist es Zeit für eine Analyse der offensichtlichen Gefahren:

 1. Säuren und Laugen

 1.1 Chlorwasserstoffsäuren

 Im Bereich des Kesselhauses befinden sich Ionentauscheranlagen zur Weichwasserbereitung des Kesselspeisewassers. Zur Regeneration der Harze wurden Salz, Lauge und Säuren eingesetzt. Diese Substanzen befinden sich immer noch da. Besonders gefährlich ist die hochkonzentrierte Chlorwasserstoffsäure, die in einem offenen Behälter direkt auf dem Boden steht.

 Ein falscher Schritt und der ungesicherte Behälter fällt um. Bei einem Kontakt entstehen schwere Verätzungen. Kommt die Säure mit Metallen in Verbindung entsteht hochexplosives Wasserstoffgas, kommt die Säure mit anderen Verbindungen in Kontakt, entstehen fast zwingend gefährliche Gase.

1.2 Natriumhydroxid / Natronlauge

Wenige Meter weiter findet man Flüssigkeitssilos. Manche sind offen und nur noch ein eingetrockneter Rückstand ist sichtbar. Einer davon ist mit Flüssigkeit halb gefüllt. Die ungenügende handschriftliche Kennzeichnung weist auf Natronlauge hin. Die Laugenmenge beträgt einige 100 Liter.

 Ein Kontakt mit dieser Substanz führt ebenfalls zu schweren Verätzungen.

 Die Anschlussleitungen des Tanks sind brüchig, ein Auslaufen und eine Bodenkontamination nur eine Frage der Zeit.

 1.3 Essigsäure

Auf der Holzbühne des Gebäudes befinden sich weitere 3 Container. Enthalten ist hier eine hochkonzentrierte Essigsäure. Die Behälter sind 3/4 voll, die abgeschätzte Menge ist ca. 1500 Liter.

 Die Behälter sind offen, die entweichenden Dämpfe ätzend. Ein Vogel der nicht schnell genug durch die Dampfwolke kam, fiel in die Säure.

 Sollte die Bühne in Brand geraten, werden die Plastikbehälter schmelzen und die Säure wird sich in die Holzkonstruktion der Bühne ergießen und durch die Hitze verdampfen. Eine riesige Giftgaswolke aus Essigsäuredampf und Reaktionsprodukten wird zuerst die Feuerwehr kalt erwischen und dann die Bevölkerung.

 Verätzungen der Atmungsorgane bis hin zu potenziell tödlichen Lungenödemen können die Folge sein.

Sollte die Säure nicht gleich verdampfen, läuft sie nach unten und kann mit der Natronlauge aus den ebenfalls schmelzenden Plastikbehältern im Erdgeschoss reagieren. Das führt zu explosionsartig ablaufenden exothermen Reaktionen bei denen Säure und Laugenbestandteile weit weggeschleudert werden.

 Eine unkontrollierte Kontamination/Verätzung des ganzen Umfeldes ist die Folge.

 2. Bodenkontamination durch native Kohlenwasserstoffe

 Im Keller des Fabrikhauptgebäudes kam es zu einem Wassereinbruch (Grundwasser ?). Auf dem Wasser schwimmt großflächig ein estherhaltiges Öl. Nach Hinweis von H. Kaufmann könnte ein noch nicht geborgener Öltank durch Wasser geflutet sein und das Öl abgeben haben. Die Ölmenge lässt sich nur schwer abschätzen, dürfte aber auf eine Fläche von 10 mal 2 Metern ca. fingerdick sein.

Die akute Umweltgefahr besteht aus dem Risiko, dass das Öl dort austritt, wo das Wasser reinkam. Eine Verunreinigung des Grundwassers mit einer folgenschweren und kostenintensiven Bodensanierung wären die realistische Folge.

 3. Brandgefahr durch spannungsführenden begehbaren Schaltschrank

Der 380 V, 160 A, Zentralschaltraum für das Kesselhaus, Abwasservorbehandlung, sonstige Fabrikteile und Wohnhaus steht unter Spannung. Er ist offen, dauernd beleuchtet und für jedermann begehbar. Kommt es zu einem Kurzschluss, etwa weil eine der vielen Tauben aus der Fabrikhalle in diesen Raum fliegt, kann es zu einem Brand kommen, der den ganzen Chemiemüll entzündet.

4. Verantwortlichkeiten aus Sicht der Ebersbacher GRÜNEN

Die Stadt Ebersbach ist als Zustandsverantwortlicher des Grundstückes anzusprechen, wenn Gefahren für Mensch und Umwelt von diesem ausgehen, wie

 - giftige Gase bei einem Brand

 - Kontamination des Erdreiches / Grundwassers durch Kohlenwasserstoffe

 - Verletzung von Menschen (spielende Kinder) durch ungesicherte Säuren, Laugen, tiefe Fallgruben, und Strom.

 Die Grünen fordern die Stadt auf, sofort zu handeln und die Gefahren zu beseitigen.

 Vordringlich ist:

 - Sicherung des Areals vor dem Zutritt unberechtigter Personen

 - sofortige Entfernung der dort gelagerten Chemie und Hilfsstoffe bzw. Lagerung gemäß Gefahrstoffverordnung (GefSoffV),

 - sofortiges Absaugen und Reinigen des ölkontaminierten Kellerbereiches gemäß Bundesbodenschutzgesetz.

 - Absicherung des Schaltraumes nach den Vorschriften des Verbandes der Elektriker (VDE-Regeln)

Nachbemerkung: Die Kauffmann-Villa

Andererseits fallen dem Besucher auch jene Gebäude auf, die zum Teil noch aus dem letzten Jahrhundert stammen. Manche sind stadtgeschichtlich interessant und gut erhalten. So die Villa mit den weitläufigen Gewölbekellern und auch Teile der kleineren Fabrikgebäude (Kesselhaus und Senfsamendosierstation). Sie sind als als Kulturgut mit besonderem Reiz sicherlich erhaltenswert. Eine Integration dieser Teile in die Neugestaltung des Areals währe für Ebersbach ein bleibender Gewinn.

 BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

 Sven Giesler