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Die Grünen im Kreis Göppingen

Do 01.03.12 Bildungsaufbrauch in Baden-Württemberg

Walter Kißling
Ottmar Dörrer


Walter Kißling und Ottmar Dörrer

19.30 Uhr Geislingen, Seemühle (Seestr. 10)

Von vielen Menschen lange erhofft kommt Bewegung in die baden-württembergische Bildungslandschaft.

  • Die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung wurde abgeschafft und damit Kinder, Eltern und LehrerInnen von enormem Druck entlastet.
  • Die ersten Gemeinschaftsschulen werden im nächsten Schuljahr starten und damit dürfen endlich engagierte LehrerInnen ihre pädagogischen Erkenntnisse und Erfahrungen umsetzen.
  • In den Ausbau der Betreuungsplätze für die unter Dreijährigen wird massiv Geld investiert.

Viel Einsicht ist allerdings noch nötig, um das individualisierte, gemeinsame, inklusive und stärker selbstgeleitete Lernen zu verstehen und eine breite Akzeptanz dafür in der Bevölkerung zu erhalten. Besonders im Bereich der Gymnasien fehlt noch die Überzeugung, dass das individualisierte Lernen gerade auch gute Schülerinnen und Schüler besser fördern, mehr Lernfreude schaffen und die Potentiale der Kinder produktiv entwickeln kann.

 

Wir laden daher alle Bildungsinteressierte ein zum Stammtisch der Grünen im Helfensteiner Land unter dem Thema „Bildungsaufbruch im Land“. Walter Kißling, Kreisvorsitzender und Bildungspolitiker der Grünen wird an Beispielen verschiedener Schulen die Grundgedanken des individualisierten Lernens und die Ziele der grün-roten Bildungspolitik darstellen. Ottmar Dörrer, Schulleiter der Tegelbergschule und Geschäftsführer der Geislinger Grund-, Haupt-, Werkreal- und Sonderschulen wird anhand seiner Schulerfahrungen aufzeigen, was sich in der Schule verändern muss und wie das gemeinsame Lernen im Tagesrhythmus konkret aussehen kann. Er freut sich über Unterstützung, denn seine Schule ist bereits im Aufbruch und hat den Antrag auf Zulassung als Gemeinschaftsschule gestellt.

 

Walter Kißling ist Kreisvorsitzender der Grünen und Berufsschullehrer. In der grünen Landesarbeitsgemeinschaft Schule war er an der Entwicklung grüner Bildungspolitik beteiligt. Wesentliche Leitlinien sind dabei: Schwerpunktverlagerung auf vorschulische Bildung, längeres gemeinsames Lernen bei Verbesserung der individuellen Förderung, Ganztagesbetreuung und Inklusion.

 

Ottmar Dörrer ist Schulleiter der Geislinger Tegelbergschule und darüber hinaus Geschäftsführender Schulleiter der Geislinger Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen. Die Tegelbergschule bietet heute schon an fünf Tagen eine Ganztagesbetreuung an und unterrichtet in Zusammenarbeit mit der benachbarten Bodelschwinghschule in einer Intensivkooperationsklasse Geistigbehinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam. Im Dezember regte er einen "Bildungsgipfel" für Geislingen an.


Ein Stammtisch der Grünen im Helfensteiner Land


Eine ganz neue Art des Lernens

Beim Grünen-Stammtisch ging’s um Bildung

Autorin: STEFANIE SCHMIDT | GZ 03.03.2012

 

Mit der Gesamtschule solle nicht nur ein neues Schulsystem, sondern eine ganz neue Art des Lernens in Baden-Württemberg Einzug halten. Darüber waren sich die Referenten beim Stammtisch der Grünen einig.


Geislingen. „Bildungsaufbruch im Land“, welche Veränderungen in der Bildungslandschaft gehen mit dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg einher. Die Referenten beim „Stammtisch im Helfensteiner Land“ der Grünen waren Walter Kißling und Ottmar Dörrer.

Walter Kißling ist Kreisvorsitzender der Grünen und Gymnasiallehrer, und wirkte in der grünen Landesarbeitsgemeinschaft Schule an der Entwicklung der grünen Bildungspolitik mit. Ottmar Dörrer ist Schulleiter der Tegelbergschule und darüber hinaus geschäftsführender Schulleiter der Geislinger Schulen.

Die beiden Pädagogen informierten vor allem über Ziel und Zweck der Gesamtschule, einem Kernpunkt grün-roter Bildungspolitik, der in der Öffentlichkeit nach wie vor kontrovers diskutiert wird. Im Januar wurden die 34 „Starterschulen“, die im Schuljahr 2012/13 die ersten Gemeinschaftsschulen des Landes werden wollen, bekanntgegeben; voraussichtlich im April sollen im Landtag durch eine Änderung des Schulgesetzes die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gemeinschaftsschule geschaffen werden.

Die beiden Referenten waren sich einig, dass mit der Gesamtschule nicht nur ein neues Schulsystem eingeführt werde, sondern eine neue Art des Lernens nach finnischem Vorbild. Das Konzept der finnischen Gesamtschule führte Kißling als Beispiel für ein besonders gelungenes Schul- und Lernkonzept an.

Bis zu einer Schulreform in den 1970er Jahren hatte Finnland ein dreigliedriges Schulsystem, das dem deutschen sehr ähnlich gewesen sei, erläuterte Kißling. Seither werden alle Schüler bis zur neunten Klasse gemeinsam unterrichtet, während der ersten vier Schuljahre gibt es keine Zensuren.

Die finnischen Gesamtschulen zeichneten sich durch eine große Individualisierung aus, erläuterte Kißling weiter. So sei der Unterricht im Klassenverband nur noch eine Unterrichtsmöglichkeit unter vielen. Daneben gibt es Einzel- und Förderunterricht und Lerngruppen. Die Lehrer werden von pädagogischen Assistenten unterstützt, in jedem Kollegium gibt es ein Team von Psychologen, Sozialarbeitern und Therapeuten. Die Schule dauert bis in den Nachmittag, das Mittagessen ist für alle Schüler kostenlos.

Dieses „individualisierte, gemeinsame Lernen“ sei auch der Grundgedanke für die Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg, sagte Kißling. So könne eine Gesamtschule das Bildungspotenzial der Kinder besser ausschöpfen: „Die Gesamtschule soll keine Schule des Mittelmaßes sein, sondern schwache wie starke Schüler optimal fördern.“

„Wir können es uns nicht leisten, zehn Prozent der Schüler im Bildungssystem an die Wand zu fahren,“ betonte Schulleiter Ottmar Dörrer, dessen Tegelbergschule den Weg zur Gesamtschule einschlagen will. Die individuelle Ausrichtung der Gesamtschule, die alle Bildungsstandards der allgemeinbildenden Schulen anbietet, und das längere gemeinsame Lernen aller Schüler trage dazu bei, Herkunft und Bildungserfolg weitgehend zu entkoppeln. Das große Ziel: Jeder Schüler – ob mit oder ohne Behinderung – solle mit der bestmöglichen Förderung den für ihn optimalen Schulabschluss erreichen.

 

zum Artikel auf der GZ-Website...